Geschichte

Wir (in Deutschland) haben es geschafft, es gibt genug Lebensmittel für alle. Okay in der Verteilung gibt es noch kleine Probleme, aber die globale Landwirtschaft erzeugt einen Drittel (33%) mehr Nahrungsmittel als die gegenwärtigen Weltbevölkerung benötigt. Und es gibt nicht nur Haferschleim, wir haben eine nie dagewesene Vielfalt an Lebensmitteln und können so viel Fleisch essen, wie wir wollen. Und weil wir so hochproduktiv sind, kann sich jede:r quasi alles leisten, seien es Kiwis aus Neuseeland, oder Krabben aus dem Atlantik.

Nicht nur gibt es alles zu Hauf und günstig, wir haben es durch den technischen Fortschritt auch geschafft, dass nicht mehr das ganze Dorf auf dem Feld ackern muss, sondern dass große Maschinen und hocheffiziente Verarbeitungstrukturen die Arbeit für uns machen.

Wir könnten ewig so weiter machen, gäbe es da nicht ein oder zwei kleine Problemchen…

Leider haben wir in den letzten 150 Jahren offensichtlich vergessen, dass alles was wir verbrauchen auch wieder nachwachsen sollte. Ganz im Gegenteil dazu ist unsere Wirtschaftsweise und technischer Fortschritt von Ressourcen abhängig die über mehrere Millionen Jahre entstanden sind. Wenn wir so weiter machen, dann schauen wir am Ende wohl genährt, aber leider dumm aus der Wäsche: auf einem unbewohnbaren Planeten.

Aber warum müssen Bauern und Bäuerinnen eigentlich immer die Schwarzen Peter und Petras in der Diskussion sein? Klar ist, dass sie viel von der Autonomie des Berufsstandes, die weiterhin ein hohes Gut ist, eingebüßt haben. Sie ackern in einem engen Korsett aus Förderanreizen und Richtlinien für einen globalisierten Lebensmittelmarkt, der leider meist in Discountern und nicht mehr in der Dorfmitte verhandelt wird. Dabei gibt es eigentlich keinen besseren Bereich unserer Wirtschaft, um der Klimakrise mit Kreativität und Spieltrieb zu begegnen.

Wenn Landwirtschaft schon für gut einen Viertel der menschlich gemachten Treibhausgase verantwortlich ist, dann wäre es doch wirklich schade, wenn wir hier einfach immer weiter daran festhalten, dass nur so eine wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann. Es heißt ja schließlich nicht umsonst WELTBevölkerung, eben weil diese Menschen eine Welt brauchen, um sie zu bevölkern. Es bringt also nichts, technisch immer effizienter und ergiebiger Lebensmittel zu produzieren, wenn nachher kein Ort mehr da ist, an dem wir sie verspeisen können.

Und Landwirtschaft füllt nicht nur unsere Mägen, sie ist auch Bildhauerin der Landschaften, die uns beheimaten.

Kein anderer Bereich unseres Wirtschaftens prägt unseren Planeten so stark, und gestaltet den ländlichen Raum, den wir als Natur wahrnehmen (Urwald und unberührte Natur sind leider nicht mehr im Angebot bei uns). Auch wenn Städte weiterhin wachsen und die Landflucht zunimmt, braucht es doch ein quasi paradiesisches “Außen”, welches wir zum Krafttanken, Ausruhen und ganz platt gesagt “Frei sein” benötigen.

Wenn sich die Landwirtschaft verändert, dann verändern sich also gleich drei Dinge:

Das Essen auf dem Teller,
die Landschaft, in der wir es genießen, und
die Gewissheit, dies auch in Zukunft auf diesem Planeten tun zu können.

Der Garten Eden war bestimmt ein Waldgarten, entworfen vom größten Bauern der Geschichte, um zu zeigen, dass die Natur Fülle produziert. Und auch wer nicht an diese Geschichte glaubt, kann sich ungefähr ausmalen, was es bedeuten würde, wenn die Orte, an denen wir Lebensmittel produzieren, freundlich, begehbar und voller Leben und Vielfalt wären, und nicht wie heute ein Labyrinth aus Mais und Biogasanlagen, welches selbst die bescheidensten Ansprüche an ästhetischem Wohlbefinden mit Füßen tritt.

Solch eine veränderte Form der Landwirtschaft wirkt aufbauend in jeder Hinsicht: Vielfalt, Lebensräume, Widerstandsfähigkeit, Humus, soziale Interaktion, Arbeitsplätze, Qualität der Nahrungsmittel, Kohlenstoffsenken, Gehölzstrukturen,…

Daher schlagen wir einfach gesagt vor, Landwirtschaft und Landschaft wieder zusammen zu denken und Bauern und Bäuerinnen die Möglichkeit zu geben, die Superheld:innen in der Bewältigung der Klimakrise zu werden. Während diese dann nämlich Treibhausgase binden, Lebensräume erhalten und aufbauen, Arten schützen und so ganz nebenbei auch noch wunderbar vielfältige und nahrhafte Lebensmittel für uns Menschen erzeugen, dürfen wir endlich wieder raus aufs Land und das Gefühl haben, wirklich in der Natur zu sein, auch wenn diese weiterhin menschengemacht bleibt. Wegen der neu entstandenen Biotope dürfen wir wieder alle 50 Kilometer das Auto anhalten, um die Insekten von der Windschutzscheibe zu kratzen und den Blick über bunte Kulturlandschaften streifen lassen.

Damit Bauern und Bäuerinnen wieder Gestalter:innen mit einer breiten Palette an Farben und Formen werden können (derzeit ist es ja eher eine einfarbige Grundierung, die sie auf den Acker malen) brauchen sie unsere Unterstützung. Es reicht leider nicht, im Biomarkt um die Ecke Demeter-Amaranth zu shoppen.

Viele der Arbeiten, die in der von uns angestrebten Landwirtschaft gemacht werden, erzeugen mitnichten sofort ein Lebensmittel zur Vermarktung. Eine Hecke als Windfang und Lebensraum, junge Bäume zum Aufbau eines Waldgartens, Humusaufbau durch Mulchen, das alles ist erstmal eine Arbeit, die die Landschaft auf lange Sicht belebt und repariert, jedoch kann der smarte freie Markt mit seiner unsichtbaren Hand, hier leider nicht unter die Arme der Schaffenden greifen. Im Gegenteil, er zwingt sie ja gerade dazu, all ihr Tun in eine Verwertungslogik zu pressen, die keinen Spielraum für Naturschutz und Vielfalt lässt.

Das heißt im Umkehrschluss, entweder das bedingungslose Grundeinkommen wenigstens für Landwirt:innen oder kluge Finanzierungsinstrumente, die diese gemeinnützigen Dienstleistungen ermöglichen. Schließlich ist es ja das, was Geld im besten Fall tut: etwas ermöglichen (im Gegenteil zur heutigen Spielart des “Entlohnens”). Weder die europäischen Agrarförderungen, noch die bundesweiten Programme schaffen es derzeit, landwirtschaftlichen Betrieben einen Rahmen zu geben, innerhalb dessen sie Klimaretter:innen werden können.

“Aha, darauf wollen die hinaus, meine Monetas!” Ja. Richtig gedacht! Wir wollen, wie alle anderen auch, euer Geld. Nur das “Wir” ist hier keine Holding mit einem Briefkasten in Luxemburg oder ein nettes Start-up auf dem Weg zum Börsengang, sondern tatsächlich ein inklusives, ganzheitliches “Wir”.

Denn wenn Wir uns eine andere Landschaft wünschen und diese Aufgabe bei den Landwirt:innen sehen, dann wäre es doch super, wenn wir aufhören, politisch korrekt auf dem Sofa zu sitzen (Postkartenspruch), und die Aufgabe selbst in die Hand nehmen. Und das machen wir einfach so lange, bis entweder alles aussieht, wie im Paradies, oder endlich Förderprogramme etabliert sind, die uns diese Aufgabe abnehmen.

Das ist, kurz gesagt, das Ziel von Ackercrowd: Wir bringen die aufbauende Landwirtschaft wieder weiträumig auf den Acker! Dafür gebt Ihr Geld, Bauern und Bäuerinnen stellen ihre Ideen vor, Ackercrowd hilft bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen, und gemeinsam verändert sich – verändern wir – so die Landschaft.

Am Anfang wird das Geld noch einfach als Spende eingesammelt und weitergegeben. Wir fangen allerdings jetzt schon an, ein Modell zu basteln, das die Wirktiefen (einfacher Wirkung) der Maßnahmen in Bezug auf Treibhausgasbindung, Humusaufbau, Artenschutz und neue Lebensräume misst. So können wir in kurzer Zeit bereits sagen, dass Maßnahme X ein Equivalent von Y CO2 Ausstoß kompensiert. Neben der Wertschätzung ermöglichen wir damit den Höfen zukünftig ein kontinuierliches Einkommen für den Wiederaufbau der Landwirtschaft .

Und das Coole daran ist, dass Organisationen (und weiterhin Einzelpersonen) ihre klimaschädlichen Verhaltensweisen bei dem Bauer um die Ecke, oder der Bäuerin in der alten Heimat kompensieren können. Klar ist, dass dadurch das klimaschädliche Verhalten nicht besser wird. Fliegen kann mit heutiger Technik nicht grün werden, egal wieviel Bambus wir als CO2Speicher unter Betonplatten verschütten. Was die Kompensation aber möglich macht, ist ein konstanter Geldfluss zur Bewässerung der Oasen in der Agrarwüste.

So können diese wachsen und peut a peut zeigen, dass Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung auch möglich ist, ohne Ressourcen auszubeuten, bzw. planetare Grenzen zu sprengen. Und wir…. Wir können dann endlich draußen auf dem Land in Ruhe Kalorien verbrennen, in dem Wissen, dass wir dadurch nicht uns selbst verbrennen.

Guten Appetit.